Die Zinswende im Euroraum ist in weite Ferne gerückt

Interview mit Achim Seiler, Generalbevollmächtigter für das Private Banking, über das Private Banking bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz

Viel hilft viel? An diesem Donnerstag hat der Rat der Europäischen Zentralbank beschlossen, sein im März gestartetes Aufkaufprogramm für europäische Staatsanleihen noch weiter auszudehnen und den Leitzins auf einem Rekordtief zu belassen. Über die Bedeutung der aktuellen Zinsentscheidung für die Kleinanleger in Deutschland spricht Achim Seiler, Leiter Private Banking bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz.

Achim Seiler
Leiter Privatkundenbetreuung,
Generalbevollmächtigter

Herr Seiler, worauf müssen sich die deutschen Sparer nach der EZB-Ratsentscheidung nun einstellen?

Darauf, dass sich die Durststrecke der Niedrigstzinsen im Euroraum nun noch deutlich länger hinziehen wird, denn eine Zinswende rückt mit der aktuellen Entscheidung in weite Ferne. Die Verzinsung von Tages- und Festgeldkonten, die bereits zuvor nur noch in homöopathischen Dosen von 0,05 bis 0,1 Prozent vorhanden war, könnte nach der aktuellen Entscheidung tatsächlich am Nullpunkt ankommen. Und selbst darüber sind wir jenseits des Privatkundensegments ja schon hinaus – Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken wollen, werden nach der aktuellen Zinsentscheidung mit einem Strafzins von 0,3 Prozent belegt. Dass es auch anders geht, zeigen beispielsweise die USA: Es wird erwartet, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve in ihrer anstehenden Sitzung Mitte Dezember die Leitzinsen zum ersten Mal seit rund einer Dekade anheben wird.

Den niedrigen Zinsen steht in Deutschland eine ebenfalls niedrige Inflationsrate gegenüber. Inwieweit müssen Privatanleger die Teuerung bei ihrer Anlageentscheidung berücksichtigen?

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag die Inflation in Deutschland im November bei rund 0,4 Prozent. Die Teuerungsrate fällt allerdings je nach Betrachtungsweise und dem zugrunde gelegten Warenkorb sehr unterschiedlich aus. Denn während die deutschen Verbraucher im November für Nahrungsmittel 2,3 Prozent mehr ausgeben mussten als noch vor einem Jahr, sind die Energiepreise binnen Jahresfrist um 7,5 Prozent gefallen. Bei den Öl- und Gaspreisen ist jedoch mittelfristig mit einer Anpassung nach oben zu rechnen. Wenn die Inflationsrate dann tatsächlich die Zielmarke von zwei Prozent erreichen sollte, sich die Zinsen aber weiterhin nahe der Nulllinie befinden, dann verlieren Sparer, die nach wie vor auf herkömmliche Sparmodelle setzen, jedes Jahr real rund zwei Prozent ihres Vermögens.

Welche Möglichkeiten haben Sparer unter diesen Bedingungen dann noch?

Für Anleger, die bisher auf das klassische Tages- oder Festgeldkonto gesetzt haben, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder sie strukturieren ihr Vermögen um – etwa indem sie den Aktien- oder Fondsanteil in ihrem Depot deutlich erhöhen und ihre Anlagen breiter streuen – oder sie müssen über einen längeren Zeitraum inflationsbereinigt mit negativen Renditen leben. Der aktuelle Zinsentscheid der EZB hat jedenfalls noch einmal deutlich gemacht, dass für Privatanleger die Ausarbeitung eines Vermögenskonzepts auf Basis des persönlichen Chancen-Risiko-Profils unumgänglich geworden ist.

 

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