"Wer künftig eine positive Rendite will, muss ein gewisses Risiko akzeptieren"

Interview mit Achim Seiler, Leiter Private Banking und Generalbevollmächtigter bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, über das Risikoverhalten der Deutschen und ein angemessenes Verhältnis von Sicherheit und Risiko in Zeiten des Niedrigstzinses.

Achim Seiler
Leiter Privatkundenbetreuung,
Generalbevollmächtigter

Herr Seiler, die Deutschen sind und bleiben ein Volk der Sparer – und der Risikovermeider. Gerade erst sind ihre Bankeinlagen auf Giro-, Spar- und Tagesgeldkonten auf einen neuen Rekordstand von über 2 Billionen Euro gestiegen. Welchen Preis bezahlen die Anleger für eine solche Null-Risiko-Strategie?

Im aktuellen Kapitalmarktumfeld bringt eine risikolose Kapitalanlage wenig mehr als eine Nullrendite – ein Vermögensaufbau und eine sinnvolle Altersvorsorge mit ausschließlich risikovermeidenden Anlageformen ist damit nicht mehr möglich. Während man früher bei Zinsen von 7 % sein Kapital innerhalb von rund 10 Jahren verdoppeln konnte, dauert dies beim heutigen Zinsniveau 350-500 Jahre – der Zinseszinseffekt als Motor eines klassischen Vermögensaufbaus läuft also leer. Wollen Anleger in der Geldanlage partout kein Risiko eingehen, werden sie über einen längeren Zeitraum eine Nullrendite akzeptieren müssen. Sogar Negativrenditen sind für Privatkunden mittelfristig nicht mehr auszuschließen – und dies ist umso dramatischer, wenn man bedenkt, dass gegenwärtig die Inflation im Euroraum wieder anzieht.

Welches Verhältnis von Sicherheit und Risiko halten Sie im Moment für sinnvoll?

Risikolose Renditen zu akzeptablen Konditionen sind meines Erachtens gegenwärtig grundsätzlich nicht mehr darstellbar. Zwar gibt es aktuell beispielsweise französische Staatsanleihen mit 2 % Zinsen – allerdings bei einer Laufzeit von 50 Jahren, Irland und Mexiko haben sogar 100-jährige Anleihen aufgelegt. Wenn Sie eine angemessene Zugriffszeit auf Ihre Kapitalanlage bei einer gleichzeitigen Chance auf eine positive Rendite haben wollen, kommen Sie deswegen um eine Beimischung von 30 % Aktien nicht herum – im Moment sind sogar eher 50 % ratsam. Allerdings muss der Aktienanteil immer zum jeweiligen Kunden, seinem Risikoprofil und seiner Lebenssituation passen. Wer z. B. auf einen bestimmten Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt angewiesen ist, für den scheiden Aktien in der Regel aus.   

Vielen Anlegern sind Aktien nach wie vor zu riskant. Wie aber stellt sich das Risiko eines Aktieninvestments bei einem längeren Anlagehorizont dar – also etwa bei 10 oder 20 Jahren?

Auf lange Sicht ist ein sinnvoll strukturiertes Aktienportfolio eine sichere und renditestarke Anlageform: Riskant sind Aktieninvestments immer nur auf kurze Sicht: Anleger müssen hier auch mal vorübergehende Verluste von 40 % des eingesetzten Kapitals verkraften können. Um solche Wertschwankungen auszugleichen, sind lange Anlagehorizonte von mindestens 5 Jahren erforderlich.

Welche Anlageklassen sollten die Anleger auf der Suche nach höheren Renditen meiden?

Grundsätzlich sollte man die Anlageklassen, in denen man investiert ist, mit Bedacht wählen – und nicht jedem Trend hinterherlaufen. Oft reicht schon eine Beimischung von deutschen Standardwerten aus, um die Rendite seines Portefeuilles zu erhöhen. Als Privatanleger sollte man sich vor allem mit einfach strukturierten Produkten auseinandersetzen –  und von komplexen Derivaten oder Emerging-Markets-Papieren eher die Finger lassen. Keep it simple ist insbesondere für Einsteiger ein guter Grundsatz.

 

Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten:
Die hier genannten Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise zu einzelnen Arten von Finanzinstrumenten. Sie stellen die Chancen und Risiken der Anlageprodukte nicht abschließend dar und sollen eine ausführliche und umfassende Aufklärung und Beratung nicht ersetzen. Detaillierte Informationen über Anlagestrategien und einzelne Anlageprodukte einschließlich damit verbundener Risiken, Ausführungsplätze sowie Kosten und Nebenkosten stellt Ihnen Ihre Volksbank Kur- und Rheinpfalz eG vor Umsetzung einer Anlageentscheidung im Rahmen der Beratung zur Verfügung.