Dem Rad des Schicksals kräftig Stimme gegeben

Gedächtniskirche: Mendelssohn und Orff zum Finale der Feierlichkeiten zum 150. Volksbank-Jubiläum

Es gibt nicht viele Unternehmen, die vor weit mehr als 100 Jahren gegründet wurden und heute noch existieren. In der Art, wie die Volksbank Kur- und Rheinpfalz am Samstagabend mit rund 500 geladenen Gästen, darunter Oberbürgermeister Hansjörg Eger sein Vorgänger Werner Schineller, ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert hat beim Sektempfang im Martin-Luther-King-Haus, konnte man erkennen, wie verbunden das Geldinstitut mit der Region ist.
Denn die Kunden und Mitglieder schätzen Tradition, Stabilität und Glaubwürdigkeit – Werte, denen sich die Bank noch heute verpflichtet fühle, wie Vorstandssprecher Rudolf Müller in seiner Begrüßungsansprache hervorhob. „Die große Resonanz, die wir heute Abend erleben“, sagte er, „ist auch eine Bestätigung, dass wir ein passendes Rahmenprogramm für Sie zusammengestellt haben: die Aufführung in der Gedächtniskirche von Orffs Carmina Burana als schöner Abschluss unseres Jubiläumsjahres“.

Gruppe v.l.n.r. Vorstand Winfried Szkutnik, Vorstand Heinz Kuppinger, Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger, Dekan Markus Jäckle und Vorstandssprecher Rudolf Müller

Ideale Kulisse für Kantate

Entsprechend aufgeräumt ist die Stimmung in der Gedächtniskirche bei den mehr als 1200 Zuhörern. Dieser imposante Bau im neugotischen Stil eignet sich ganz besonders als Kulisse für die von Carl Orff (1895 – 1982) in den 1930er Jahren komponierte szenische Kantate. „Obwohl es keine geistliche Musik ist, sondern von weltlicher Liebe, Freude und Schmerz handelt, passt die Aufführung in die Kirche, weil Kirche auch Kulturraum ist und alles hineingehört, was mit dem Leben zu tun hat“, sagte Dekan Markus Jäckle vonseiten des Veranstalters, des Protestantischen Dekanats Speyer, vor dem Konzert.
Inspiration holte sich Orff für seine Komposition in der mittelalterlichen Handschrift „Carmina Burana“. Die Textpassagen, die er daraus ausgewählt hat, sprechen die Unerbittlichkeit des Schicksals an, aber auch die Freuden der ungezügelten Liebe und epikureischen Genusses.
Zu welch respektabler Leistung das Orchester fähig ist, zeigte es schon in der davor gespielten vierten Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847), der „Italienischen“. Daraus wurde der 1. Satz, das Allegro vivace, wiedergegeben. Der klangsinnliche Charakter der Sinfonie wurde besonders durch die suggestivere Körpersprache des Dirigenten Robert Sattelberger herausgeschält.
Die makellose Technik, der fantastische Klang des Orchesters und die emotionale Durchdringung dieser von Helligkeit und Temperament geprägten Komposition rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Nicht minder imponierten im Anschluss die mächtigen Chorpartien, gestaltet von der Kantorei Speyer Germersheim, verstärkt von den Schulchören des Hans-Purrmann-/Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium, des Gymnasiums am Kaiserdom und des Kurrende- und Jugendchors an der Gedächtniskirche. Gemeinsam sorgten sie für ein solides Stimmfundament.

Vollbesetzte Gedächtniskirche

Anrufung mit monumentaler Wucht

Die Anrufung der Glücksgöttin Fortuna geschieht mit solch monumentaler Wucht und wildem Feuer, dass man förmlich spürt, wie schwer sich das Rad des Schicksals dreht. Beindruckend lässt der gewaltige Chor die lauten Passagen durch den Kirchenraum hallen und erfreut in den ruhigen durch vokale Rundung.
Rhythmisch präzise begleitet ihn das Orchester unter der Leitung von Robert Sattelberger. Er weiß die intimen Stellen schön auszugestalten und den ostinaten Motiven der Partitur nachzuspüren. Starke Wirkung entfalten lichte Inseln wie „Chume, chum, geselle min“.
Solist Thomas Herberich meisterte die gewaltigen Anforderungen in den Liebesszenen wunderbar mit seinem wandlungsfähigen Bariton, Sopranistin Stefanie Dasch intonierte Arien wie „In trutina“ mit außergewöhnlich schöner Stimme. Unterstützt vom Schülerchor sorgte sie zudem für zarte, lyrische Momente. Tenor Johannes Kaleschke gab in höchsten Tönen den klagenden Schwan wieder. Grandios die Schlussszene, in der die Schicksalsthematik wieder aufgenommen wurde. Stehende Ovationen des Publikums zeigen, welch tiefen Eindruck die Aufführung hinterlassen hat.