„Deutsche Produkte werden in Großbritannien auch künftig gefragt sein“

Interview mit Achim Seiler, Leiter Private Banking und Generalbevollmächtigter bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, zu den Folgen des ‚Brexit‘-Referendums für die deutschen Anleger und Unternehmen.

Achim Seiler
Leiter Privatkundenbetreuung,
Generalbevollmächtigter

Herr Seiler, der DAX hat auf das Brexit-Votum der Briten zunächst einmal mit starken Kursverlusten reagiert. Welche Folgen sehen Sie mittelfristig für die Aktienmärkte?

In der nächsten Zeit werden wir sicher noch größere Schwankungen an den Börsen erleben, denn die durch den Brexit geschaffene Unsicherheit ist Gift für die Märkte. Allerdings haben politische Börsen häufig kurze Beine. Ich erwarte deswegen, dass sich die Marktteilnehmer schon bald auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen werden, mittelfristig dürfte der Brexit für die Kursentwicklung keine entscheidende Rolle mehr spielen. Und auch für die Kleinanleger in Deutschland sind die Auswirkungen gering, weil der Brexit nur Entwicklungen fortschreibt, die schon seit Längerem bestehen: Das Niedrigstzinsniveau der Spareinlagen etwa oder die gegenwärtige hohe Volatilität an den Aktienmärkten.

Was bedeutet der Brexit für die deutsche Realwirtschaft, also beispielswiese für mittelständische Unternehmen, die Waren nach Großbritannien exportieren wollen?

Solange der EU-Austritt Großbritanniens nicht vollzogen ist, wird sich für deutsche Unternehmen erst einmal wenig ändern. Da sich mittelfristig der Handel jedoch nicht mehr innerhalb des europäischen Binnenmarktes abspielen wird, werden Im- wie Exporte auf jeden Fall mit einem höheren bürokratischen Aufwand verbunden sein – angefangen bei einer Wiedereinführung der Visumspflicht bis hin zu Einfuhrbestimmungen und Zollabgaben. Es ist aber nicht zu erwarten, dass Großbritannien für Deutschland als Handelspartner künftig weniger wichtig sein wird. Deutsche Produkte werden in Großbritannien auch künftig gefragt sein, und die Beispiele Schweiz und Norwegen zeigen, dass auch ohne EU-Mitgliedschaft prosperierende Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union möglich sind. Ich bin davon überzeugt, dass sich in den nun beginnenden Austrittsverhandlungen eine vernünftige und zukunftsorientierte Lösung durchsetzen wird, denn beide Seiten haben letztlich kein Interesse daran, protektionistische Schutzwälle hochzuziehen.

Was ist jetzt nötig, um den durch den Brexit entstandenen Schaden zu begrenzen?

Zunächst geht es darum, klare Signale an die Kapitalmärkte auszusenden, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Dazu gehört auch, dass die kommenden Verhandlungen zügig zu einem Abschluss gebracht werden. Die wirtschaftlichen Folgen eines Brexit halte ich hingegen für weit weniger problematisch als die damit verbundene Signalwirkung für die politische Stabilität der EU. Das Ergebnis des britischen Referendums sollte Anlass für eine kritische Bestandsaufnahme sein, was sich in Europa künftig ändern muss. Wenn dies geschieht, kann aus dem Brexit auch etwas Gutes, Neues erwachsen – und dabei sollte für Großbritannien die Tür zu einer Rückkehr in die Europäische Union immer offenstehen.

 

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