Wifo 2016

Vortrag von Professor Dr. Claus Hipp beim Wirtschaftsforum der Volksbank Kur- und Rheinpfalz in voll besetzter Speyerer Stadthalle

Was zeichnet ein ethisch handelndes Unternehmen aus? Und wieso sind ehrbar handelnde Kaufleute langfristig erfolgreicher? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Claus Hipp, Geschäftsführer des Babynahrungsherstellers HiPP und Gastredner beim Wirtschaftsforum der Volksbank Kur- und Rheinpfalz am vergangenen Montag.

Nicht zuletzt der mit vielen haarsträubenden Unwahrheiten geführte Präsidentschaftswahlkampf in den USA habe deutlich gemacht, welche Relevanz das Thema Ethik gerade in der heutigen Zeit habe, betonte Rudolf Müller, Vorstandssprecher der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, in seiner Eröffnungsrede und begrüßte Claus Hipp als eine Persönlichkeit, die wie nur wenige in Deutschland für ethisches Wirtschaften stehe. Hipp, 1938 in München geboren, ist seit 1968 Geschäftsführender Gesellschafter der HiPP Gruppe. Heute erzielt das Unternehmen mit über 2.600 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 850 Millionen Euro. HiPP hat als erster großer Lebensmittelhersteller ein Öko-Audit eingeführt und verfügt über eine eigene Ethik-Charta. 1995 erhielt Claus Hipp das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 1997 wurde er Öko-Manager des Jahres und 2009 Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie nachhaltigster Einkauf.

Orientierung am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns

Es gelte, sich in seinem Unternehmenshandeln am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns zu orientieren, erklärte Hipp, der seinen Vortrag mit viel Humor, persönlichen Anekdoten und Beispielen aus seiner eigenen Unternehmerpraxis gestaltete. „Ehrbares Kaufmannstum ist sicher mehr als nur ‚Compliance‘ – ein Wort, über das große Einigkeit herrscht, weil jeder etwas anderes darunter versteht. Es heißt vielmehr, nur das zu tun, was Ehre schafft und alles zu unterlassen, was Unehre bringt.“ Ein Unternehmen solle auf den Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung gegründet sein. Bezogen auf die tägliche Unternehmenspraxis bedeute das etwa ein faires Verhalten gegenüber Lieferanten und Wettbewerbern, umweltbewusstes Wirtschaften, eine hohe Produktqualität und gerechten Lohn für gerechte Arbeit. Bei Führungskräften seien Einfühlungsvermögen, Gerechtigkeitssinn, Kommunikations- und Motivationsfähigkeit gefragt. „Gute Unternehmensführung zeigt sich auch in der Achtung vor verschiedenartigen Talenten“, so Hipp. „Jemand, der vielleicht keinen Schulabschluss geschafft hat, kann ein tüchtiger Mitarbeiter werden – das gilt nicht zuletzt auch für das Thema Zuwanderung.“

Professor Dr. Claus Hipp

Ehrbares Handeln schafft einen Wettbewerbsvorteil

Wenn ein ehrbarer Kaufmann, sein Unternehmen und seine Marken mehr Vertrauen genießen, schaffe Ehrbarkeit zugleich einen Wettbewerbsvorteil, so Hipp, denn gerade die Verbraucher hätten ein gutes Gespür für ehrbares Handeln. Wichtig sei jedoch letztlich der Stellenwert, den der Gewinn für das Unternehmenshandeln habe: „Wir machen gerne Gewinn, aber wir sind auch davon überzeugt, später mal daran gemessen zu werden, was für eine Gewinn wir gemacht haben – und nicht, wie viel.“

v.l.n.r. Winfried Szkutnik (Vorstand), Reinhard Oelbermann (Aufsichtsratsvorsitzender), Bernadette Schoog (Moderatorin), Prof. Dr. Claus Hipp, Rudolf Müller (Vorstandssprecher), Dirk Borgartz (stellv. Vorstandssprecher), Till Meßmer (Vorstand)