„Die betriebliche Altersvorsorge wird für Unternehmen und Arbeitnehmer deutlich attraktiver“

Interview mit Till Meßmer, Vorstand der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, über die Neuerungen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes

Till Meßmer
Vorstand der Volksbank Kur- und Rheinpfalz

Es trägt zwar einen sperrigen Namen, bringt aber für Unternehmen und Beschäftigte viele Verbesserungen in der betrieblichen Altersversorgung mit sich:
Das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Till Meßmer, Vorstand der Volksbank Kur- und Rheinpfalz, gibt Auskunft über die neuen Möglichkeiten der Betriebsrente.

Herr Meßmer, am 1. Januar 2018 tritt das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft. Was ändert sich dadurch für Unternehmen und ihre Beschäftigten?

Das Ziel des neuen Gesetzes ist es, die betriebliche Altersversorgung (bAV) in Deutschland insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und Beschäftige mit niedrigerem Einkommen attraktiver zu machen. Da derjenige Teil des Einkommens, der für eine bAV aufgewandt wird, nicht versteuert werden muss, war in der Vergangenheit die bAV umso attraktiver, je höher der individuelle Steuersatz des Arbeitnehmers ausfiel. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz fördert nun verstärkt die Altersversorgung von Geringverdienern und macht es für kleinere Unternehmen leichter, eine bAV anzubieten.

Wie profitieren die Arbeitnehmer von dem neuen Gesetz konkret?

Arbeitnehmer können z. B. ab 2018 deutlich mehr Geld als bisher steuerfrei in eine betriebliche Altersversorgung investieren: Statt den bisherigen 4 % sind nun 8 % der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, also bis zu 6.240 Euro. Außerdem profitieren sie von einer stärkeren Arbeitgeberbeteiligung: Da bei einer Entgeltumwandlung nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber Sozialabgaben spart, muss dieser ab 2019 bei Neuverträgen eingesparte Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 15 % in den Vertrag des Arbeitnehmers einzahlen. Bei bestehenden Verträgen greift diese Regelung ab 2022.

Bleibt die bAV für Arbeitgeber dabei trotzdem noch attraktiv?

Auf jeden Fall, denn auch die neu ausgestaltete betriebliche Altersversorgung ist eine Win-Win-Konstellation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Bereits bisher konnten Unternehmen durch die Entgeltumwandlung Lohnnebenkosten in beträchtlichem Umfang einsparen. Durch das neue Gesetz erhalten sie nun einen zusätzlichen Anreiz, von diesem Instrument stärker Gebrauch zu machen, da die Altersversorgung von Beschäftigten mit einem Bruttomonatsgehalt von bis zu 2.200 Euro künftig staatlich gefördert wird: Wenn sich ab dem nächsten Jahr der Arbeitgeber an einem Neuvertrag mit 240-480 Euro pro Jahr beteiligt, werden ihm 30 % dieses Beitrags vom Finanzamt zurückerstattet bzw. über die Lohnsteuerverrechnung direkt einbehalten. Außerdem können Arbeitgeber ihre bAV-Aufwendungen als Betriebsausgaben absetzen, wodurch der tatsächliche Aufwand für den Arbeitgeber letztlich sehr gering ist. Dies macht die bAV gerade für kleine und mittlere Unternehmen als Mittel zur Mitarbeitergewinnung und -bindung interessant. Außerdem hat der Arbeitgeber über die Beitragszahlung hinaus keine weiteren Verpflichtungen.

Unternehmen, die bereits heute eine bAV anbieten, sollten sich aber auch bewusst sein, dass für sie das neue Gesetz einigen Handlungsbedarf mit sich bringt. Sie sollten daher ihre bestehenden Versorgungsordnungen so bald wie möglich prüfen und überarbeiten, um ihre Betriebsrente für alle Beteiligten zu optimieren und den künftigen gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen.